Hundi.Blog
Home
Blog abonnieren
Woche 3

Hier ist er - leider etwas verspätet: mein Eintrag der letzten Woche. Die letzten Tage waren richtig stressig - es ging richtig heiß her bei uns. Inoffizielle Berichte unserer australischen Kollegen haben für mächtig Wirbel gesorgt. Unsere Kollegen meldeten uns, dass es in Australien "Kuh-Casting" gibt und sich (was noch viel schlimmer ist) unter den wiederkäuenden Tieren eine Zweiklassengesellschaft herausbildet. Einige von ihnen leisten sich tatsächlich jeden Tag einen Liter "Cabernet Sauvignon-Wein" - dekadent. Knapp eine Woche später wurden unsere internen Berichte endlich bestätigt und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Entsprechende Meldungen findet ihr unter folgenden Links: Link 1 , Link 2.
Was ist nun so schlimm daran? Also, nach Bekanntwerden dieser Tatsachen stellte unser Vorstand Überlegungen an, ob wir unsere Produkte nicht diesen neuen Entwicklungen anpassen sollten - bevor die Absatzzahlen noch zurückgehen. Da ich ja der FuE-Abteilung vorstehe, wurde ich in die Vorstandssitzung miteinbezogen. Der Vorstands-Vorschlag sah vor, dass wir einige Produkte aus unserer Palette ebenfalls mit Alkohol anreichern. Meinem Einwand, dass es in Deutschland dafür noch gar keinen Markt gäbe, wurde widersprochen. Es sollte eine Marketing-Strategie ausgearbeitet werden, die besonders auf unsere ausgebrannten Kollegen z.B. im Show-Business (die Kollegen im Zoo, ihr erinnert euch) ausgerichtet ist. Ziel sollte es sein, ihrer Niedergeschlagenheit durch den Alkohol Abhilfe zu verschaffen. Die daraus resultierende Alkoholabhängigkeit sollte ebenfalls von unseren Produkten abhängig machen und die Kunden langfristig an uns binden.
Als ich das hörte, dachte ich mich tritt ein Pferd! Ich signalisierte, dass ich von diesem Vorschlag nicht ganz so begeistert war und äußerte auch moralische Bedenken. Leider ließen sich die meisten davon nicht beeindrucken. Die Vorstellung von abhängigen Kunden begeisterte sie zu sehr. Ich hab dann gesagt, dass ich, für den Fall der Einführung dieser Produktlinie mein Amt als Abteilungsleiter niederlegen und das Arbeitsverhältnis beenden würde, da ich für diese Produktlinie und evtl. Folgeschäden und Schadensersatzklagen keine Verantwortung übernehmen will. Auf einmal war totenstille. Ich nutzte die Gelegenheit (da ich mir der Aufmerksamkeit aller sicher war), die erst letzte Woche beschlossenen Ziele der neuen Abteilung vorzustellen. Am Ende hatte ich ungefähr die Hälfte der Anwesenden überzeugt, dass die "Alkohol-Strategie" vermutlich nur kurzfristigen Erfolg bringt. Schließlich einigte sich Samstagabend der Vorstand darauf, die Entscheidung vom Erfolg der FuE-Abteilung abhängig zu machen. Wenn am Ende der nächsten 6 Wochen noch keine zählbaren Ergebnisse von mir auf dem Tisch liegen, wird über die "Alkohol-Strategie" erneut beraten.
Das ist für mich natürlich ein gewisser (Rück-)Schlag und bedeutet wohl für mich, dass ich in den nächsten Wochen noch härter arbeiten muss, als bisher. Aber: die Kollegen im Zoo sind es mir wert - Alkohol ist doch keine Lösung!

7.11.06 15:34
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de